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Alfred Edmund Brehm

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Am 31.05.1847 verließ Alfred Brehm Renthendorf und reiste über Dresden, Wien, Triest und Athen nach Alexandria, wo er am 29.07. eintraf. Der Weg führte die Expedition von Ägypten aus nach den Ostsudan und sollte vor allem der Erforschung der Tierwelt am Oberlauf des Nils dienen. In einem Brief schilderte Brehm den ersten Teil der Expedition: "Wegen Mangel an den in einem so wenig zivilisierten Lande so außerordentlich notwendigen Reisebedürfnissen war es dem Freiherrn von Müller, mit dem ich Deutschland verließ, nicht möglich, weiter als bis 12° 45' der nördlichen Breite vorzudringen. Wir gingen von hier aus [Kairo, d. V.] auf dem Nile bis Ambucol in Nubien und von da an durch die Wüste Bahuida auf Kamelen bis Chardum, ... Von Chardum aus fuhren wir in einer elenden Barke über alle Katarakten des Nils hinweg nach Kairo, wo wir nach dreizehnmonatlicher Abwesenheit glücklich, aber völlig entkräftet wieder ankamen. Bai der Passage der Nilfälle waren wir in beständiger Lebensgefahr, und alle unsere arabische Bedienten zogen es vor, den Weg neben den Fällen auf dem Lande zu wählen; wir hatten aber auch dann das Vergnügen, ein Wagstück bestanden zu haben, welches kein Europaer vor uns unternommen hatte."

Bald darauf kehrte Baron von Müller mit reicher Ausbeute an lebenden Tieren und Vogelbälgen nach Europa zurück, um Erbschaftsangelegenheiten zu regeln sowie Geldmittel für die Fortsetzung der Expedition zu beschaffen. Alfred Brehm, der mit der Vorbereitung für die neue Expedition beauftragt war, verblieb in Afrika. Er nutzte die Zeit u.a. auch zu Tierbeobachtungen im Nildelta und beschäftigte sich mit der arabischen Sprache sowie den mohammedanischen Sitten und Gebräuchen. Schon 1849 wurde er zusammen mit Baron von Müller zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ernannt. In der Laudatio wurde Brehm als " der Gefährte Müllers bei der Erforschung von Innerafrica, berühmt durch seine ornithologischen Studien" gewürdigt.

Baron von Müller kehrte aber nicht nach Afrika zurück und schickte auch nur einen geringen Teil des notwendigen Geldes, das durch Alfreds Stiefbruder Oskar (1823-1850) überbracht wurde. Zusammen mit ihm und Dr. Vierthaler (1820-1852) aus Köthen trat Brehm trotz großer finanzieller Schwierigkeiten im März 1850 die geplante Expedition mutig an. Zu allem Unglück ertrank wenige Wochen später, am 03.05.1850, Oskar Brehm beim Baden im Nil. In sein Tagebuch, unter das Datum "Donnerstag, den 9 Mai 1850", schrieb Alfred Brehm: "In der Wüste, westlich von Neu-Dongola, 1.000 Schritte von der Stadt entfernt, deckt ein einfacher Grabhügel von Steinen die Gebeine meines theuren Bruders Oskar Brehm, geboren am 12 Dezember 1823. Wandrer! bedauer sein Schicksal!"

Doch Alfred Brehm lieB sich durch diesen schweren Verlust nicht entmutigen und setzte die Expedition fort. Bis 1852 blieb er in Afrika und erforschte von Khartum aus die Fauna vor allem am Blauen Nil und stieß fast bis an die Grenzen von Abessinien (Äthiopien) vor. Nur durch die Unterstützung hilfreicher Freunde, die ihm mehrfach Geld liehen sowie Pflege und Trost zuteil werden ließen, konnte er seine Forschungsreise erfolgreich zu Ende führen. Mit über 1.400 Vogelbalgen und einer ganzen Anzahl lebender Tiere kam Brehm nach über fünfjähriger Abwesenheit aus Afrika zurück. Die meisten Tiere gab er an den Berliner Zoologischen Garten ab, seine Meerkatzen nahm er mit in seine Renthendorfer Heimat, wo er vor dem 21 06.1852 eintraf ,(wahrscheinlich am 16.06.), und später auch nach Jena. An den Schulden, die er während der Reise machen mußte, trug er noch lange Zeit, wurde aber durch die reiche Ausbeute für alle erlittenen Entbehrungen entschädigt.

Auf der 6. Versammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, die vom 06. bis 09.1852 in Altenburg stattfand, lernten viele deutsche Ornithologen Alfred Brehm persönlich kennen. Sein erster ornithologischer Aufsatz "Der Winter in Egypten, in ornithologischer Hinsicht" war bereits 1849 im ersten Heft der "Naumannia" zu lesen gewesen. Der Altenburger Tagungsleiter Christian Ludwig Brehm nutzte geschickt seine Möglichkeiten, Sohn Alfred mit vier Beitragen, u. a. "Zur Fortpflanzungsgeschichte des Cuculus glandarius (Häherkuckuck)“ und "Beobachtungen über Ibis religiosa (Heiliger Ibis)", in die wissenschaftliche Fachwelt einzuführen.

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