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Alfred Edmund Brehm

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In den folgenden Jahren konzentrierte sich Alfred Brehm vor allem auf seine schriftstellerische Tätigkeit, unternahm aber auch ausgedehnte Vortragsreisen über Deutschland hinaus und noch drei weitere Forschungsreisen. Bereits 1876 bot sich Brehm die Möglichkeit, zusammen mit seinem Freund Otto Finsch, dem Direlctor des Naturhistorischen Museums in Bremen, und dem Grafen Karl von Waldburg-Zeil, einen Botaniker, nach Westsibirien zu reisen. Diese Expedition., die vom Bremer Verein für die Deutsche Nordpolarfahrt organisiert und finanziert wurde, dauerte neun Monate und führte Brehm und seine Begleiter in das südliche Westsibirien und die Tundra zwischen Ob-Busen und Kara-See. Auf dieser Reise sammelte er weitere wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch in die 2. Ausgabe des "Thierlebens" eingeflossen sind. Er studierte aber ebenfalls die Sitten und Gebräuche sowie die Lebensweise der Menschen und versuchte ein vorurteilsloses Bild des Reiselandes zu vermitteln. An seine Frau schrieb er aus Tjumen z. B. folgendes: " Gästehäuser gibt es hier nicht, Alle Fremden werden daher bei Gastfreunden untergebracht, beziehentlich solchen zugewiesen. Die Leute sind hier überall besser eingerichtet als im Durchschnitt bei uns im Lande, ihre Möbel sind zum Teil schön, reizende Teppiche, hier in der Umgegend gewebt, ... das ganze Haus ist gleichmäßig warm, das Essen gut, ein mir sehr mundendes Bier vorhanden. Kurz es fehlt an gar nichts, und alles ist jedenfalls anders, als wir uns es gedacht. Dabei sind die Menschen überaus liebenswürdig, gastfrei wie die Araber, behilflich, kurz ganz ausgezeichnete Gastfreunde."

Nach seiner Rückkehr von dieser Reise hatte Alfred Brehm wieder ein umfangreiches Pensum schriftstellerischer Arbeit zu bewältigen, denn im gleichen Jahr erschien der l. Band der 2. Auflage seines Hauptwerkes - mit dem neuen Titel "Brehms Thierleben". l879 war die Herausgabe des nunmehr 10-bandigen Werkes abgeschlossen, dessen Bearbeitung Brehms ganze Kraft erfordert hatte. In einem Brief des Kronprinzen Rudolf von Österreich, seit l873 mit Brehm befreundet, an den "Tiervater" kommt dies deutlich zum Ausdruck: "Lieber Freund!o Ich danke Ihnen für Ihren Brief, der mich gar nicht freute; schade, daß Sie Ihren Schreibtisch nicht verlassen können, doch ich selbst rathe Ihnen, diese Ihnen schon lästige Arbeit zu vollenden, um dann mit voller Kraft sich auf neues Schaffen zu verlegen. Ich kann mir verstellen, wie mühsam und schleppend das Durcharbeiten des letzten Fisch-Bandes sein mag."

Mit Kronprinz Rudolf von Österreich zusammen führte Brehm auch seine beiden letzten Forschungsreisen durch, die ihn im Frühjahr 1878 für zwei Wochen in das Gebiet der mittleren Donau und im Mai/Juni 1879 nach Spanien und Portugal führten.

Mit populärwissenschaftlichen Vortragen, die Brehm in Deutschland, aber auch im Ausland hielt, setzte er in seinen letzten Lebensjahren die Volksbildungsarbeit erfolgreich fort. Er schilderte dabei nicht nur das Leben der Tiere, sondern rückte auch seine Eindrücke über die Natur und die Menschen in den Vordergrund, wobei er durch eine sachliche und vorurteilsfreie Berichterstattung im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag zur Völkerverständigung leistete. Eine Auswahl dieser Vortrage gab sein Sohn Horst (1863-1917) unter dem Titel "Vom Nordpol zum Aequator" 1890 heraus.

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