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Alfred Edmund Brehm

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Alfred Edmund Brehm wurde am 02.02.1829 als erstes Kind des Pfarrers Christian Ludwig Brehm und dessen zweiter Ehefrau Bertha in Unterrenthendorf geboren. Von 1833 bis 1843 besuchte er die Schule in seinem Heimatort und beteiligte sich bereits im Kindesalter an den vogelkundlichen Studien seines Vaters. Dadurch wurde schon sehr frühzeitig der Grundstein für Alfred Brehms naturwissenschaftliches Interesse sowie seine zoologischen Fähigkeiten und Fertigkeiten gelegt.

"Was ich gelernt habe, danke ich meinem Vater ... Was ich hinzugefügt habe, hat mir das Jahrhundert geboten",

schrieb er viele Jahre später.

Nach seiner Schulentlassung nahm Alfred Brehm eine Maurerlehre in Altenburg auf, um sich auf die Laufbahn eines Architekten vorzubereiten. Über seine Leistungen gibt ein erhalten gebliebenes Zeugnis Auskunft: "Der Maurer Lehrling und der Baukunst beflißene Alfred Edmund Brehm von Unterrenthendorf hat 2 Winterhalbjahre bei mir Unterricht im architectonisch, als freien Handzeichnen genoßen und während dieser Zeit lobenswerthe Fortschritte gemacht; über seinen Fleiß und über sein Betragen kann ich ihm das Beste Zeugniß geben.

Altenburg den 1. September 1846        Friedrich Sprenger        Architect und Maurermeister."

Für Brehms weiteres Leben hatten die Altenburger Lehrjahre eine nicht zu unterschätzende Bedeutung: die handwerklichen Fertigkeiten kamen ihm auf seinen Reisen sehr zugute und die erworbenen baufachlichen Kenntnisse nutze er bei seinen späteren Zoo-Bauten.

Im Herbst 1846 nahm Alfred Brehm ein Architekturstudium in Dresden auf, brach es aber nach zwei Semestern vorzeitig ab. Ein Zufall war es, der ihn zu diesem Schritt bewog und wieder mit den Naturwissenschaften in Berührung brachte. Der württembergische Baron Dr. J. W. von Müller (1824-1866) hatte die Absicht, eine zoologische Expedition in die damals erst wenig erforschten Gebiete Nordostafrikas durchzuführen, wozu er noch einen sachkundigen Begleiter suchte. Wie Baron von Müller den Kontakt zu Alfred Brehm fand, ist noch nicht genau bekannt, sicher ist jedoch, daß die Eltern Alfred Brehms wenig von diesem Vorhaben begeistert waren und erst die Aussicht auf die Bereicherung seiner Vogelsammlung den Vater zustimmen ließ.

Alfred Brehm wäre zweifellos auch ein guter Architekt geworden, bereute aber seinen Entschluß diese Laufbahn aufgegeben zu haben, nicht. 1853 schrieb er dazu: "Doch ein gütiges Geschick führte mich von diesem Wege auf einen anderen, der für mich noch erfreulicher war."


Am 31.05.1847 verließ Alfred Brehm Renthendorf und reiste über Dresden, Wien, Triest und Athen nach Alexandria, wo er am 29.07. eintraf. Der Weg führte die Expedition von Ägypten aus nach den Ostsudan und sollte vor allem der Erforschung der Tierwelt am Oberlauf des Nils dienen. In einem Brief schilderte Brehm den ersten Teil der Expedition: "Wegen Mangel an den in einem so wenig zivilisierten Lande so außerordentlich notwendigen Reisebedürfnissen war es dem Freiherrn von Müller, mit dem ich Deutschland verließ, nicht möglich, weiter als bis 12° 45' der nördlichen Breite vorzudringen. Wir gingen von hier aus [Kairo, d. V.] auf dem Nile bis Ambucol in Nubien und von da an durch die Wüste Bahuida auf Kamelen bis Chardum, ... Von Chardum aus fuhren wir in einer elenden Barke über alle Katarakten des Nils hinweg nach Kairo, wo wir nach dreizehnmonatlicher Abwesenheit glücklich, aber völlig entkräftet wieder ankamen. Bai der Passage der Nilfälle waren wir in beständiger Lebensgefahr, und alle unsere arabische Bedienten zogen es vor, den Weg neben den Fällen auf dem Lande zu wählen; wir hatten aber auch dann das Vergnügen, ein Wagstück bestanden zu haben, welches kein Europaer vor uns unternommen hatte."

Bald darauf kehrte Baron von Müller mit reicher Ausbeute an lebenden Tieren und Vogelbälgen nach Europa zurück, um Erbschaftsangelegenheiten zu regeln sowie Geldmittel für die Fortsetzung der Expedition zu beschaffen. Alfred Brehm, der mit der Vorbereitung für die neue Expedition beauftragt war, verblieb in Afrika. Er nutzte die Zeit u.a. auch zu Tierbeobachtungen im Nildelta und beschäftigte sich mit der arabischen Sprache sowie den mohammedanischen Sitten und Gebräuchen. Schon 1849 wurde er zusammen mit Baron von Müller zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ernannt. In der Laudatio wurde Brehm als " der Gefährte Müllers bei der Erforschung von Innerafrica, berühmt durch seine ornithologischen Studien" gewürdigt.

Baron von Müller kehrte aber nicht nach Afrika zurück und schickte auch nur einen geringen Teil des notwendigen Geldes, das durch Alfreds Stiefbruder Oskar (1823-1850) überbracht wurde. Zusammen mit ihm und Dr. Vierthaler (1820-1852) aus Köthen trat Brehm trotz großer finanzieller Schwierigkeiten im März 1850 die geplante Expedition mutig an. Zu allem Unglück ertrank wenige Wochen später, am 03.05.1850, Oskar Brehm beim Baden im Nil. In sein Tagebuch, unter das Datum "Donnerstag, den 9 Mai 1850", schrieb Alfred Brehm: "In der Wüste, westlich von Neu-Dongola, 1.000 Schritte von der Stadt entfernt, deckt ein einfacher Grabhügel von Steinen die Gebeine meines theuren Bruders Oskar Brehm, geboren am 12 Dezember 1823. Wandrer! bedauer sein Schicksal!"

Doch Alfred Brehm lieB sich durch diesen schweren Verlust nicht entmutigen und setzte die Expedition fort. Bis 1852 blieb er in Afrika und erforschte von Khartum aus die Fauna vor allem am Blauen Nil und stieß fast bis an die Grenzen von Abessinien (Äthiopien) vor. Nur durch die Unterstützung hilfreicher Freunde, die ihm mehrfach Geld liehen sowie Pflege und Trost zuteil werden ließen, konnte er seine Forschungsreise erfolgreich zu Ende führen. Mit über 1.400 Vogelbalgen und einer ganzen Anzahl lebender Tiere kam Brehm nach über fünfjähriger Abwesenheit aus Afrika zurück. Die meisten Tiere gab er an den Berliner Zoologischen Garten ab, seine Meerkatzen nahm er mit in seine Renthendorfer Heimat, wo er vor dem 21 06.1852 eintraf ,(wahrscheinlich am 16.06.), und später auch nach Jena. An den Schulden, die er während der Reise machen mußte, trug er noch lange Zeit, wurde aber durch die reiche Ausbeute für alle erlittenen Entbehrungen entschädigt.

Auf der 6. Versammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, die vom 06. bis 09.1852 in Altenburg stattfand, lernten viele deutsche Ornithologen Alfred Brehm persönlich kennen. Sein erster ornithologischer Aufsatz "Der Winter in Egypten, in ornithologischer Hinsicht" war bereits 1849 im ersten Heft der "Naumannia" zu lesen gewesen. Der Altenburger Tagungsleiter Christian Ludwig Brehm nutzte geschickt seine Möglichkeiten, Sohn Alfred mit vier Beitragen, u. a. "Zur Fortpflanzungsgeschichte des Cuculus glandarius (Häherkuckuck)“ und "Beobachtungen über Ibis religiosa (Heiliger Ibis)", in die wissenschaftliche Fachwelt einzuführen.


Durch die fünfjährige Afrikareise wurde Alfred Brehms Lebensweg entscheidend beeinflußt. Für ihn stand danach fest, Naturwissenschaften zu studieren, um seine praktisch gesammelten Erfahrungen auch theoretisch zu vertiefen. Die Zeit bis zu seiner Immatrikulation an der Universität Jena, die am 29.04.1853 erfolgte, nutzte er, um sich auf das Studium vorzubereiten. Da er aber kein Gymnasium besucht hatte, mußte er beim herzoglichen Konsistorium in Altenburg einen Erlaubnisschein für den Besuch der Universität beantragen, der auch ausgestellt wurde. Zur materiellen Absicherung des Studiums richtete Alfred Brehms Vater ein Gesuch an das herzogliche Finanzministerium, indem er "unterthänigst" um Studienbeihilfe für seinen Sohn bat. Ob dieses Gesuch Erfolg hatte, konnte bisher nicht festgestellt werden.

In den Studentenverzeichnissen der Universität erscheint Alfred Brehm vom Sommersemester 1853 bis zum Wintersemester 1854/55 als Student der Naturwissenschaften. Er schloß sich (wie bereits 1852 Bruder Reinhold und dann 1883/84 Sohn Horst und Neffe Alfredo) der Jenaer studentischen Verbindung Saxonia an, welcher er bis zu seinem Lebensende die Treue hielt. Brehm, von seinen Kommilitonen "Pharao" genannt, wurde bereits in dieser Zeit auch schriftstellerisch tätig. Schon Ende 1853 lag das Manuskript eines Buches über seine Beobachtungen und Erlebnisse in Afrika vor, welches 1855 unter dem Titel "Reiseskizzen aus Nord-Ost-Afrika" in Jena erschien.

Am 01.05.1855 bekam er das Doktordiplom an der philosophischen Fakultät der Universität Jena. Aufgrund seiner fünfjährigen Afrikareise sah man darüber hinweg, daß Brehm nur vier Semester studiert hatte und erkannte als Dissertation einige Kapitel seiner Reisebeschreibungen an.

Die nächsten Monate nutzte er hauptsächlich zur Vorbereitung einer neuen Expedition, die der genauen Erforschung der Tierwelt auf der Pyrenäenhalbinsel dienen sollte. Im April 1856 brach er zusammen mit seinem Bruder Reinhold und "ein paar anderen Gefährten" nach Spanien auf und kehrte Mitte August 1857 mit einer reichen Vogelsammlung nach Renthendorf zurück, die aber zur Bestreitung der Reisekosten größtenteils verkauft werden mußte.


Von 1858 bis 1862 lebte Brehm in Leipzig, wo er als Lehrer für Geographie und Naturgeschichte am Modernen Gesamtgymnasium und der Höheren Töchterschule tätig war. Diese Stelle vermittelte ihm sein Onkel Moritz Zille, der seit 1850 dort lehrte, 1857 Vizedirektor und 1859 Direktor dieser Einrichtung wurde. In einem Brief Zilles an Brehms Eltern aus dem Jahre 1857 heißt es: "Es wird mir eine überaus große Freude sein für sein [Alfreds, d. V.] Unter- und Fortkommen in Leipzig mit besorgt zu sein. Ich glaube, Leipzig ist ein Boden für eine Pflanze wie Alfred."

Wie recht Zille mit dem letzten Satz hatte, zeigte sich schon wenig später. In Leipzig lebten damals einige 48er Revolutionäre, die von ihren Gegner wegen ihrer politischen Gesinnung gehaßt wurden. Mit diesem Kreis fortschrittlicher Bürger kam Brehm in Kontakt. Besonders eng schloß er sich dem Naturforscher und Förderer des Volksbildungsgedankens, Emil Adolf Roßmäßler, an, in dem er das Vorbild für sein künftiges Schaffen sah. Wie dieser wollte er ein Schriftsteller des Volkes werden und die Tierkunde aus der Enge der Fachwissenschaften in breite Bevölkerungskreise tragen. Somit wurde schon in Leipzig der Gedanke geboren, ein allgemeinverständliches Werk über die Tierkunde zu schreiben, den Brehm mit seinem "Illustrierten Thierleben" auch in die Tat umsetzte.

Durch Zilles Einfluß wurde Alfred Brehm schon 1858 Freimaurer. Im Mitgliederverzeichnis der St.-Johannis-Freimaurerloge "Apollo im Orient" von Leipzig für das Maurerjahr 1873/74 wird er als auswärtiges Mitglied mit der Stellung "Meister" geführt.

Während der Leipziger Zeit aktivierte Brehm auch seine schriftstellerische Tätigkeit und wurde durch seine packenden Veröffentlichungen in Roßmäßlers Zeitschrift "Aus der Heimath" sowie dem von Ernst Keil herausgegebenen Familienblatt "Die Gartenlaube" sehr schnell populär. Ernst Keil war es auch, der Alfred Brehm 1860 durch Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel eine Reise nach Norwegen und Lappland ermöglichte. Brehm stieß dabei bis an das Nordkap vor und konnte somit seine Kenntnisse um die nordischen Formen der Tierwelt, besonders der hochnordischen Vögel, bereichern. Auf dieser Reise schrieb er auch das erstemal seine Gedanken mit der gerade erlernten Kurzschrift (Gabelsbergersche Stenografie) in sein Tagebuch nieder. Die Stenografie war ihm später eine unentbehrliche Hilfe bei der Erledigung des umfangreichen Arbeitspensums.

Wenige Monate nach seiner Rückkehr von der Nordlandreise, am 14.05.1361, heiratete Alfred Brehm seine entfernte Cousine Mathilde Reiz (1840-1873) aus Greiz. Seine Mathilde war ihm während ihres Zusammenlebens eine verständnisvolle Gefährtin und wertvolle Gehilfin.

Eine neuerliche Reise führte Alfred Brehm 1862 als Begleiter des Herzogs Emst II. von Sachsen-Coburg-Gotha in das Wald. und wildreiche Hochland von Abessinien (Äthiopien). Brehms Erwartungen wurden jedoch enttäuscht, denn es wurde mehr eine Jagd- als eine Forschungsreise. Es gelang ihm aber trotzdem, weitere wesentliche Erkenntnisse über die Lebens- und Verhaltensweisen der afrikanischen Wildtiere, vor allem des Großwildes, zu sammeln.


1863 verlegte Alfred Brehm seinen Wohnsitz nach Hamburg wo er die Leitung des Zoologischen Gartens übernahm. Durch sein Geschick in Pflege und Behandlung der Tiere sowie seinen reichen Erfahrungsschatz mit freilebenden Wildtieren, entwickelte sich der Hamburger Zoo unter seiner Leitung schnell zu einer hervorragenden Bildungsstätte. Gleichzeitig mit dem Ausbau dieser Einrichtung vollendete er den Plan, ein allgemeinverständliches Werk über die Tierkunde zu schreiben. Mit Herrmann Julius Meyer, Leiter des Bibliographischen Instituts Hildburghausen (später Leipzig) hatte er auch einen Verleger, der dieses Vorhaben unterstütze (wer die Idee zum Werk und zum Titel hatte sowie der Werdegang des Werkes bis hin zu "Brehms Thierleben" ist derzeit noch nicht endgültig geklärt). 1863 lagen die ersten Teillieferungen des ersten Säugetierbandes vor und im folgenden Jahr der ganze erste Band. Bis 1869 wurde das "Illustrierte Thierleben" auf sechs Bände erweitert. Die ersten 5 Bände schrieb Brehm selbst, den 6. Band über die Insekten, Spinnentiere und wirbellosen Wassertiere verfaßten die Professoren Taschenberg und Schmidt.

Brehm, der in der Öffentlichkeit den Ruf eines hervorragenden Zoologen und Tiergärtners genoß, fühlte sich aber Ende 1866 gezwungen, sein Amt als Direktor des Hamburger Zoos niederzulegen. Anlaß dazu waren die Differenzen zwischen ihm und dem Verwaltungsrat, der die geschäftlichen Interessen unter Brehms Leitung nicht genügend verwirklicht sah. In der Broschüre (1866) "Meine Stellung zum Zoologischen Garten in Hamburg und meine Entlassung", nannte Brehm die ihm zur Last gelegten Vergehen: "Man habe gefunden., daß ich die Presse" nicht in der Weise bearbeite, wie man gewünscht, daß ich namentlich zu wenig Aufsätze über die Thiere des Gartens geschrieben und das besuchende Publikum nicht genügend herbeigezogen, also nicht für die Erzielung möglichst hoher Einnahmen gewirkt, ... daß man der Ansicht sei, der Director eines Thiergartens müsse Ideen haben, wie der Garten verschönert werden könne, ohne daß es viel koste .... "

Brehm, der unter diesen Bedingungen seine Vorstellungen über die Bildung und Erziehung der Volksmassen nicht verwirklichen konnte, verließ Hamburg und übersiedelte nach Berlin.


Hier begann er 1867 mitten in der Stadt, in einem ehemaligen Wohnhaus (`Unter den Linden.·'Ecke Schadowstraße - das Gebäude wurde im 2. Weltkrieg zerstört, mit der Einrichtung des "Berliner Aquariums", welches nach ganz modernen künstlerisch-pädagogischen Prinzipien gestaltet wurde. Dabei kam es Brehm vor allem darauf an, den Besuchern die ausgestellten Tiere auch in ihrer natürlichen Umwelt zu zeigen, was ihm mit dem "Schlangengang", dem "Vogelhaus" und der"Geologischen Grotte" auch meisterhaft gelungen ist.

Allein schon die architektonische Gestaltung des "Berliner Aquariums" fand großen Anklang in der Fachpresse. "Nicht von geringerem Interesse ist die Art und Weise, wie dem Betrachter der Anblick der Fische und der Fluß- und Seethiere, wie überhaupt des Lebens im Wasser erleichtert ist. Durch große Glastafeln., welche von hinten her erhellt sind, wird eine Wasserpartie mit Allem, was darin lebt, schwimmt, kriecht und wächst, eingeschlossen. Man sieht die Fische vor sich herum schwimmen, die Molche nach Nahrung gehen, die Krebse und Hummern herumkriechen., man erblickt die Pracht der Seerosen., der Polypen und Muscheln, kurz man hat hier das ganze Leben des Meeres im Kleinen unmittelbar vor sich", schrieb l874 Dr. Sabell in einer kleinen Broschüre über diese Einrichtung.

Bereits im Eröffhungsjahr 1869 fand diese hervorragende Bildungseinrichtung regen Zuspruch, 1872 wurden 250.000 Besucher registriert. Aber auch hier konnte Alfred Brehm nicht auf Dauer entsprechend seinen Vorstellungen wirksam werden und stellte l874 sein Direktorenamt zur Verfügung. (Das "Berliner Aquarium" wurde 1910 aufgelöst, den gesamten Tierbestand kaufte der Zoologische Garten Leipzig.)


In den folgenden Jahren konzentrierte sich Alfred Brehm vor allem auf seine schriftstellerische Tätigkeit, unternahm aber auch ausgedehnte Vortragsreisen über Deutschland hinaus und noch drei weitere Forschungsreisen. Bereits 1876 bot sich Brehm die Möglichkeit, zusammen mit seinem Freund Otto Finsch, dem Direlctor des Naturhistorischen Museums in Bremen, und dem Grafen Karl von Waldburg-Zeil, einen Botaniker, nach Westsibirien zu reisen. Diese Expedition., die vom Bremer Verein für die Deutsche Nordpolarfahrt organisiert und finanziert wurde, dauerte neun Monate und führte Brehm und seine Begleiter in das südliche Westsibirien und die Tundra zwischen Ob-Busen und Kara-See. Auf dieser Reise sammelte er weitere wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch in die 2. Ausgabe des "Thierlebens" eingeflossen sind. Er studierte aber ebenfalls die Sitten und Gebräuche sowie die Lebensweise der Menschen und versuchte ein vorurteilsloses Bild des Reiselandes zu vermitteln. An seine Frau schrieb er aus Tjumen z. B. folgendes: " Gästehäuser gibt es hier nicht, Alle Fremden werden daher bei Gastfreunden untergebracht, beziehentlich solchen zugewiesen. Die Leute sind hier überall besser eingerichtet als im Durchschnitt bei uns im Lande, ihre Möbel sind zum Teil schön, reizende Teppiche, hier in der Umgegend gewebt, ... das ganze Haus ist gleichmäßig warm, das Essen gut, ein mir sehr mundendes Bier vorhanden. Kurz es fehlt an gar nichts, und alles ist jedenfalls anders, als wir uns es gedacht. Dabei sind die Menschen überaus liebenswürdig, gastfrei wie die Araber, behilflich, kurz ganz ausgezeichnete Gastfreunde."

Nach seiner Rückkehr von dieser Reise hatte Alfred Brehm wieder ein umfangreiches Pensum schriftstellerischer Arbeit zu bewältigen, denn im gleichen Jahr erschien der l. Band der 2. Auflage seines Hauptwerkes - mit dem neuen Titel "Brehms Thierleben". l879 war die Herausgabe des nunmehr 10-bandigen Werkes abgeschlossen, dessen Bearbeitung Brehms ganze Kraft erfordert hatte. In einem Brief des Kronprinzen Rudolf von Österreich, seit l873 mit Brehm befreundet, an den "Tiervater" kommt dies deutlich zum Ausdruck: "Lieber Freund!o Ich danke Ihnen für Ihren Brief, der mich gar nicht freute; schade, daß Sie Ihren Schreibtisch nicht verlassen können, doch ich selbst rathe Ihnen, diese Ihnen schon lästige Arbeit zu vollenden, um dann mit voller Kraft sich auf neues Schaffen zu verlegen. Ich kann mir verstellen, wie mühsam und schleppend das Durcharbeiten des letzten Fisch-Bandes sein mag."

Mit Kronprinz Rudolf von Österreich zusammen führte Brehm auch seine beiden letzten Forschungsreisen durch, die ihn im Frühjahr 1878 für zwei Wochen in das Gebiet der mittleren Donau und im Mai/Juni 1879 nach Spanien und Portugal führten.

Mit populärwissenschaftlichen Vortragen, die Brehm in Deutschland, aber auch im Ausland hielt, setzte er in seinen letzten Lebensjahren die Volksbildungsarbeit erfolgreich fort. Er schilderte dabei nicht nur das Leben der Tiere, sondern rückte auch seine Eindrücke über die Natur und die Menschen in den Vordergrund, wobei er durch eine sachliche und vorurteilsfreie Berichterstattung im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag zur Völkerverständigung leistete. Eine Auswahl dieser Vortrage gab sein Sohn Horst (1863-1917) unter dem Titel "Vom Nordpol zum Aequator" 1890 heraus.


Brehm unternahm im Winter 1883/84 seine letzte Reise, auf der er in den USA fünfzig Vorträge hielt. Diese Reise wurde für ihn zu einem schicksalhaften Ereignis. Kurz vor seiner Abfahrt erkrankten seine bei ihm wohnenden vier Kinder Thekla, Leila, Frieda und Alfred Rudolf (1878-1884) - der älteste Sohn Horst studierte in Jena Medizin – an Diphtherie. Da Alfred Brehm bereits seit1878 Witwer war, stand er vor einer schweren Entscheidung. Entweder blieb er bei den gefährdeten Kindern und zahlte eine hohe Vertragsstrafe, wozu sein Geld aber nicht ausreichte, oder er kam der Verpflichtung nach und mußte sich, wenn die Krankheit Opfer forderte, zeit seines Lebens vorwerfen, die mutterlosen Kinder in der größten Gefahr verlassen zu haben. Der Arzt beruhigte ihn und riet zur Fahrt, da alle gesund werden würden. Ende Januar jedoch erhielt er die Nachricht vom Tod seines jüngsten Sohnes. Zu diesem seelischen Kummer kam noch hinzu, daß er wieder an Malaria erkrankte, unter der er schon als junger Mann in Afrika gelitten hatte. Nur mit größter Anstrengung konnte er diese Vertragsreise beenden. Als kranker und gebrochener Mann kehrte er am 11.05.1884 nach Berlin zurück. Nach diesen harten Schicksalsschlägen sehnte sich Brehm nur noch nach Ruhe und verlegte seinen Wohnsitz im Juli 1884 wieder in die Renthendorfer Heimat. Hier vollendete sich wenige Monate später, am 11.11.1884, sein rastloses Forscherleben im Alter von nur 55 Jahren.


Übersicht der wichtigste Reisen Alfred Edmund Brehms sowie eine Auswahl der jeweiligen Reisebegleiter

1847-1852 Nordostafrika(Ägypten,Nubien,Sudan) - Baron John Wilhelm von Müller, Oskar Brehm

1856-1857 Spanien - Reinhold Brehm, Theodor Apetz

1860 Norwegen/Lappland

1862 Nordostafrika (Abessinien) - Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha, Mathilde Brehm

1876 Westsibirien (Rußland, China) - Otto Finsch, Graf Karl von Waldburg-Zeil-Trauchburg

1878 Ungarn (Donau-Schiffsreise) - Kronprinz Rudolf von Österreich, Prinz Leopold von Bayern Eugen Ferdinand von Homeyer

1879 Spanien/Portugal - Kronprinz Rudolf von Österreich

1883-1884 USA (Vortragsreise)

Quelle: Museumsführer der Brehm - Gedenkstätte Renthendorf


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