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Historisches

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In den Sommern 1882-1884 lud ALFRED BREHM als so genannter AH (Alter Herr) seine Corpsbrüder von der Jenaer Studentenvereinigung „Saxonia” nach Renthendorf ein, wo es dann meist zu mindestens drei Tage dauernden Festlichkeiten kam. Während dieser Zeit wehte überdem Brehmhaus die dunkel-hellblau-weiße Fahne der Saxonia im Wind. Aus dem Semesterbericht 1882: „... wo wir einige schöne Tage unter Ausflügen in die herrliche Umgegend, die Abende abwechselnd unter Tanz und Commersieren beim Kreisen des Trinkhorns und Absingen festlicher Lieder verbrachten.”(4)

 

Nachdem der bereits 1878 zum Witwer gewordene ALFRED BREHM im Mai 1884 schwerkrank von seiner Vortragsreise aus Amerika nach Berlin zurückgekehrt war, kaufte er am 9. Juni des Bruders Anteil am Renthendorfer Anwesen und zog Anfang Juli hier ein. Begleitet wurde er von seinen Töchtern Thekla, Leila und Frieda. Sohn HORST BREHM (1863-1917) weilte zu dieser Zeit schon als Medizinstudent in Jena und war deshalb relativ selten zu Hause. 1889 zog er dann nach Berlin, heiratete und eröffnete eine Arztpraxis.

 

Am 11. November 1884, nachmittags fünf Uhr, starb ALFRED BREHM, dem Renthendorfer Kirchbuch zufolge an chronischer Nierenentzündung und Herzschlag im Alter von 55 Jahren. Die Brehm-Töchter waren nun die alleinigen Bewohner des Gebäudes. Neben den Verwandten besuchten auch dann und wann an Brehm interessierte Wissenschaftler, vor allem Ornithologen und Zoologen, das Haus. Dazu gehörten auch OTTO KLEINSCHMIDT (1870-1954) und ERNST HARTERT (1859-1933), welche im Juni 1897 die BREHMsche Vogelsammlung sichteten, im Auftrag von Lord ROTHSCHILD aus England kauften und für den Transport verpackten. Die dafür erforderlichen Kisten wurden in der Bastelmühle gefertigt.

 

FRIEDA BREHM (*1870) heiratete 1898 in Leipzig den Diakonus und späteren Professor Dr. KARL MORITZ POESCHMANN (1871-1945) und verließ das Haus. Wenige Jahre später siedelte sie sich nach der Scheidung in Jena an und wohnte im so genannten Frommannschen Haus am Löbdergraben. Thekla und Leila wohnten bis zu ihrem Tode (Leila, Januar 1934; Thekla, Dezember 1940) im Brehmhaus, wo sie von Frieda oft, meist in der warmen Jahreszeit, besucht wurden.

 

Im Jahre 1929 empfingen die Brehm-Töchter viele Gäste der Brehm-Ehrung (100. Geburtstag A.E. BREHMs) in ihrem Haus, darunter FERDINAND VON SACHSEN-COBURG (der frühere Zar von Bulgarien) mit seinem Hofmarschall WEICH, die Ornithologen Dr. STRESEMANN aus Berlin (Vetter des verstorbenen Reichsaußenministers Gustav St.) und HUGO HILDEBRANDT (1866-1946), Prof. SCHNEIDER aus Leipzig, eine Abordnung von A.E. BREHMs Corps „Saxonia” und 30 Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes (NfGdO). Nach Theklas Tod (Dezember 1940) schaute Frieda des öfteren einmal nach dem Haus und versuchte, den Nachlass ihres Vaters und Großvaters zu ordnen. Ab ca. 1942 standen ihr nur noch drei Zimmer im Erdgeschoss des Hauses zur Verfügung. In die anderen waren Leute einquartiert worden.

 

Aus dem Jahre 1946 stammen die ersten Eintragungen ins Gästebuch seit 1897 und deuten an, dass FRIEDA POESCHMANN nun so weit war, das Haus als Gedenkstätte für Ornithologen und Brehm-Freunde offen zu halten. An der Brehm-Feier des Kulturbundes im Februar 1949 in Renthendorf konnte Frieda wegen Krankheit nicht teilnehmen und ließ sich durch Prof. Dr. GERHARD BUCHDA (1901-1977) entschuldigen. Nach ihrem Tode am 4. August 1950 erbte ihr Neffe und einzig noch lebende Nachkomme des „Tiervaters” das Anwesen. HANS-RENATUS BREHM (1899-1964), Diplom-Ingenieur und als Architekt in Berlin und Umgebung tätig, konnte sich kaum darum kümmern. Deshalb übergab er es, nachdem das Land Thüringen und der damals zuständige Landkreis Stadtroda eine Übernahme abgelehnt hatten, am 29. September 1952 an die Gemeinde Renthendorf.

 

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