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Neue Sicht auf Brehm

Geschrieben von Friedhelm Berger am . . Zugriffe: 3033

Ein Theologe legt nach 50 Jahren Forschung eine Biografie über den weltberühmten „Tiervater“ vor
 
Renthendorf:
Es wurde eine Menge geschrieben, erzählt und noch mehr spekuliert über den weltberühmten „Tiervater“ Dr. Alfred Brehm (1829-1884) aus Renthendorf (Saale-Holzland-Kreis). Doch zu einer Biografie über den Naturforscher, Zoologen und Schriftsteller („Brehms Tierleben“) in Zeit- und Selbstzeugnissen ist es nie gekommen. Nach 50 Jahren intensiver Forschungsarbeit schließt der 79-jährige Hans-Dietrich Haemmerlein, evangelischer Theologe und wissenschaftlicher Autor aus Thiemendorf/Sachsen, jetzt diese Lücke mit einer angekündigten Buchneuerscheinung.
 
„Schon 1879 war Alfred Brehm von seinem Verleger Julius Meyer um eine Autobiografie gebeten worden, die er jedoch verweigerte“, erzählt Haemmerlein. „Später gab es zwar verschiedene Anläufe zu einer umfassenden quellengestützten Beurteilung von Alfred Brehm, aber vollendet wurden sie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht.“
 
+ 1890 stellte die Vorrede zur dritten „Tierleben“-Auflage in Aussicht, dass von Brehms Sohn Horst (1863-1917) eine ausführliche Lebensschilderung über den verstorbenen Vater zu erwarten sei. „Doch der Berliner Arzt ging lieber angeln.“
+ Ab 1894 entwarf Paul Leverkühn, Begründer der Ornithologie-Geschichte, Pläne zu einer Brehm-Biografie und-Werkausgabe. „Er starb leider 1905 im Alter von 38 Jahren.“
+ 1953/54 (und später wiederholt) wollte Professor Dr. Gerhard Buchda (1901-1977) aus Stadtroda – er war Ordinarius für Deutsche Rechtsgeschichte und Handelsrecht an der Universität Jena – eine Biografie über den Naturforscher und seine Familie schreiben. „Er begründete zwar in 16 Handschriften-Editionen die wissenschaftliche Brehm-Forschung, aber das versprochene Gesamtwerk blieb aus.“
 
Biograf Hans-Dietrich Haemmerlein zeichnet nach eigenen Angaben mit Hilfe von 140 Quellentexten die Lebensbahn von Alfred Brehm nach, seine Tätigkeit als Forschungsreisender, als Symbolfigur der Zoologie und als Verfechter naturkundlicher Bildung für breite Bevölkerungsschichten. Außerdem beleuchtet er die Affinität des „Tiervaters“ zum Leipziger Geistesleben, seine Haltung gegenüber Vorgesetzten, Weggefährten und Widersachern.
 
„Archivbefunde, die mir vom Verein Thüringer Ornithologen und dem Förderkreises Brehm zur Verfügung gestellt wurden, haben darüber hinaus wesentlich zu einer neuen Sicht auf Alfred Brehm beigetragen “, sagt Haemmerlein. „Durch sie musste das bisher bekannte Lebensbild von Brehm teils erheblich geändert werden.“
 
So konnte zum Beispiel durch die Entschlüsselung von insgesamt rund 400 Postkarten, die Brehm in Gabelsberger Kurzschrift an seine Frau Mathilde geschrieben hatte, erstmals die intensive Vortragstätigkeit des Naturforschers – sie war seine bedeutendste Einnahmequelle –nachvollzogen werden.
Geklärt werden konnte auch, dass Alfred Brehm am 24. Oktober1860 den ersten Vertrag zum „Tierleben“ mit seinem Verleger Herrmann Julius Meyer vom Bibliographischen Institut Hildburghausen (später Leipzig) abgeschlossen hat. Die Werk-Idee kann damit nicht Brehms Afrikareise1862 entsprangen sein, wie bisher in der Brehm-Literatur behauptet wurde.
Als Irrtum stellte sich auch heraus, dass Brehm nach seinem Scheitern als Tiergärtner 1874 in Berlin aufgeben wollte. Er strebte vielmehr neue Zoo-Gründungen in Osteuropa, Österreich und in Amerika an.
Nach dem Abschluss von „Brehms Tierleben“ 1879 legte der Tierschriftsteller auch nicht aus Ermüdung die Feder beiseite, sondern sammelte bis 1883 Material für eine neue „Naturgeschichte der Tiere“. Dabei erfreute er sich sogar der Zuarbeit durch Kronprinz Rudolf von Österreich (1858-1889).
 
Hans-Dietrich Haemmerlein gilt als profunder Kenner von Alfred Brehms Schriften und der Lebensgeschichte der Familie Brehm. Besondere Bekanntheit erlangte sein 1985 erschienenes Buch „Der Sohn des Vogelpastors“. Jahrelang bewohnte Haemmerlein das Oberlausitzer Pfarrhaus Diehsa, in dem Alfred Brehms Mutter Bertha am 23. Dezember 1808 geboren wurde und bis 1824 aufwuchs.
 
Schülerin Finnja Willner aus Stadtroda mit dem Titelbild der ersten umfassenden Biografie über Dr. Alfred Brehm: Die 10-jährige liebt die Erzählungen des berühmten „Tiervaters“ aus Renthendorf und hat im Unterricht schon ein Referat über ihn gehalten.  Foto: Friedhelm Berger/Top PressDas Buch „Alfred Brehm – Biografie in Zeit- und Selbstzeugnissen“ soll voraussichtlich Ende September erscheinen (Sax-Verlag, Markkleeberg, 224 Seiten, Preis: ca.25 Euro). Auf dem Umschlag ist ein Aquarell von Brehms Illustrator Robert Kretschmar zu sehen. Es zeigt die Reisegesellschaft von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha im Jahr 1862 auf einem Nilschiff bei Luxor, zu der auch Alfred Brehms Frau Mathilde gehörte.
 
04.08.2015/Friedhelm Berger/Top Press

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